Ob ein Reiz unter- oder überschwellig ist, hängt
mit der individuellen (aktuellen) Leistungsfähigkeit des Sportlers
zusammen. Als Meßgröße im Ausdauerbereich kann die Pulsfrequenz,
das Blutlaktat, aber auch die "gefühlte" Belastung dienen. Im aeroben
Ausdauertraining wird die trainingswirksame Schwelle (d.h. ein überschwelliger,
wirksamer Reiz) etwa bei einer Frequenz von etwa 50 bis 60% (oder mehr)
der maximalen Herzfrequenz (MHF) erreicht.
2. Das Prinzip der ansteigenden Belastung
Die Leistungssteigerung erfolgreicher Sportler im Jahresverlauf
und auch über mehrere Jahre geht mit einer beständigen dynamischen
Zunahme der Trainingsbelastungen einher. Je höher das Niveau,
desto umfangreicher und intensiver muß trainiert werden. Es sind
jedoch nur solche Belastungen zu wählen, die unter der Grenze der
Möglichkeiten der Sportler liegen, ohne jedoch diese zu übersteigen.
Werden die Trainingsanforderungen nicht mehr gesteigert, oder können
sie nicht mehr gesteigert werden, ist eine weitere Leistungsverbesserung
kaum mehr möglich, sofern die Auswahl der Trainingsinhalte und -methoden
angemessen war. Stagnation in der Belastung bedeutet Stagnation in der
sportlichen Leistungsfähigkeit.
2.1. Entscheidend für die Anpassung des Organismus ist die optimale Belastung (mit der optimaler Erholung - siehe unten). Sie muß oft im Bereich der Grenzbelastungen liegen ohne jedoch diese Grenzen zu übersteigen. Die These von der optimalen Belastung ist eines der Hauptprinzipien des Trainings. Das Training der aeroben Ausdauer ist im Grenzbereich des aeroben / anaeroben Energiestoffwechsels am effektivsten. Die Trainingsanforderungen sollen immer den aktuellen Möglichkeiten, also dem momentanen Trainingszustand, entsprechen. Der optimale Grad der Ermüdung provoziert die beste Anpassung. Der Läufer hat mit fortschreitendem Trainingszustand die Aufgabe, sich auch im Training mehr zu verausgaben. Seine Belastungsgrenzen werden weiter ausgedehnt. Diese Steigerung kann kontinuierlich (bei insgesamt niedrigerem Niveau) oder sprunghaft (im Leistungsbereich) geschehen.
2.2. Eine gleichmäßige Erhöhung der Trainingsbelastung ist nicht so wirkungsvoll, wie eine sprunghafte! Die Mehrbelastung muß den Organismus zu einer stärkeren Gegenreaktion (Anpassung) zwingen.
2.3. Der Organismus benötigt einen Zeitraum der Festigung der Leistung. So kommt die Verbesserung der Leistungsfähigkeit nicht gleichzeitig mit denen, erhöhter Trainingsbelastungen, ist aber Folge von ihnen. Die verbesserte Leistung zeigt sich oft erst später, in der Regel nach einer Phase der Festigung.
2.4. Im konditionellen Bereich wird die Belastung erhöht durch Steigerung des Umfangs und der Intensität. Umfang und Intensität sollen nicht gleichzeitig zunehmen, sondern im Wechsel, wobei immer zuerst der Umfang, dann die Intensität gesteigert wird! Die Stabilisierung der Leistung erfolgt durch erhöhten Umfang der Belastung, während ein schneller Leistungszuwachs (z.B. nach Verletzung) durch eine Intensitätssteigerung realisiert wird. Diese ist dann aber nicht so stabil. Diese Steigerung im Training muß von den aeroben Läufen zunehmend zu aerob - anaeroben (und ggf. später überwiegend anaeroben) erfolgen. Die Trainingsanforderungen und -steigerungen sollen immer dem momentanen Trainingszustand entsprechen.
3.1. Grundlagentraining: Beim Anfänger werden durch grundlegende, allgemein ausbildende Übungen Grundlagen der sportlichen Höchstleistung herausgebildet. In dieser Phase wird vielseitig, d.h. noch nicht nur sportartspezifisch trainiert. Die Bezeichnung Grundlagentraining drückt die Zielsetzung dieser ersten Stufe aus. Es werden Grundlagen gelegt hinsichtlich der (aller) konditionellen Eigenschaften, der technischen Fertigkeiten, der Kenntnisse, der taktischen Fähigkeiten und Gewohnheiten. Das Hauptziel besteht in einer breiten Basis mit guter allgemeiner Kondition und umfassender Bewegungserfahrung. Im weiteren werden erhöhte Willenskraft und eine gefestigte Einstellung zum Training und Wettkampf angestrebt. Im Grundlagentraining dominieren die allgemein entwickelnden Trainingsinhalte, sie werden aber ergänzt durch spezielles Training in der angestrebten Sportart (Laufen). Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Grundlagentraining auch mit einer anderen Sportart geleistet werden (Quereinsteiger anderer Ausdauersportarten).
3.2. Aufbautraining: Der Fortgeschrittene wird für die Höchstleistungen in der gewählten Sportart (weiter) aufgebaut. Im Konditionstraining wird ein sportartspezifischer Schwerpunkt gelegt. Das Aufbautraining ist eine Vorbereitung für das spätere hochspezialisierte Training.
-1. Im konditionellen Bereich wird die allgemeine Basis weiter aufgebaut. Vor allem werden aber jene Eigenschaften verbessert, die unmittelbar zu einer Leistungssteigerung beitragen. Bevorzugtwerden wettkampftypische Bewegungsformen (= Laufen, Schwimmen, Radfahren) eingesetzt.
-2. Das verbesserte taktische Können führt zu einer optimaleren Ausnutzung konditioneller und technischer Qualitäten (Laufstil), zu selbständigen und kreativen Aktionen. Die zweite Hälfte des Aufbautrainings soll schließlich den nahtlosen Übergang zum Höchstleistungstraining vorbereiten.
3.3. Höchstleistungstraining: Im Hochleistungstraining bildet sich die optimale Höchstleistung unmittelbar heraus. Alle Trainingsinhalte sind unmittelbar auf das erreichen dieses Zieles abgestimmt.
Charakteristisch ist in dieser Phase die Ausrichtung des Trainings auf einige wichtige Wettkämpfe.
-1. Im konditionellen Bereich werden sportartspezifische Eigenschaften auf ein höchstmögliches Niveau angehoben. Bei den anderen Eigenschaften genügt ein optimales Niveau.
-2. Das Technikniveau wird weiter differenziert und automatisiert.
- 3. Die taktischen und intellektuellen Fähigkeiten erreichen ihre höchste Ausprägung.
3.4. Bei Beendigung der sportlichen Kariere sollte sich immer eine Phase der geplanten sinnvollen Belastungsreduktion - ein Abtrainieren - über einen gewissen Zeitraum anschließen
3.5. Die Dauer der einzelnen Etappen ist abhängig von der Sportart, individuellen Besonderheiten des Sportlers und auch von den sonstigen Gegebenheiten. Als Faustregel läßt sich sagen, daß jede Stufe etwa drei bis vier Jahre dauert. Das läßt sich jedoch nicht durchgängig sagen, wie genügend Beispiele zeigen.
Unter trainingspraktischem Aspekt hat das Stadium der Sofortwiederherstellung den größten Effekt für die Rationalisierung des Trainingsaufbaus innerhalb einer Trainingseinheit.
5.1. Auch der Wechsel von Belastung und Erholung ist zu planen, da er entscheidend für eine Anpassung ist (= Verbesserung der Wettkampfleistung). Fehlanpassung bedeutet eine Anpassung in unwichtigen Bereichen oder Übertraining. Wird die Erholung zu stark akzentuiert (d.h. ausgedehnt), dann werden die Wirkungen der vorangehenden Trainingseinheit verwischt. Wird dagegen die Belastung einseitig betont, reichen also die Pausen nicht aus, dann ist keine vollständige und schon gar keine "übervollständige" Wiederherstellung möglich! Eine Superkompensation, welche Leistungserhöhung bedeutet, erfolgt in der Phase der Erholung. Hier liegt der optimale Zeitpunkt für die nächste Trainingsbelastung. Wird generell zu früh, d.h. noch in der Phase der Ermüdung erneut belastet, kommt es zu einer Verminderung der Leistung und langfristig ggf. zum Übertraining. Es ist jedoch nicht sinnvoll, jede neue Trainingsbelastung erst bei völliger Wiederherstellung aller Leistungsfaktoren anzusetzen; es kann/muß vielmehr noch während der "unbeendeten Wiederherstellungsprozesse" trainiert werden! Der Effekt mehrerer Trainingseinheiten summiert sich dabei. Diese zusätzliche Aufstockung der Ermüdung ist die normale Variante der Belastungsfolge im Hochleistungstraining. Sie führt zu einer noch umfangreicheren Anpassung (während einer "wiederherstellenden Pause"). Voraussetzung für den Leistungsanstieg sind anschließende aktive Erholungsintervalle! Umfang, Intensität und Wiederherstellung sind der Leistungsfähigkeit des Sportlers und der geplanten (Haupt-) Wettkampfstrecke anzupassen.
5.2. Darstellung von Belastung, Erholung und Superkompensation:
Grafik: Belastung - Erholung - Superkompensation (am Beispiel Ausdauer)
Zusammengefaßt läßt sich sagen:
1. Training führt zum Verbrauch von Energien und damit zunächst zur Leistungsminderung.
2. Die dadurch eingetretenen Ermüdungsprozesse provozieren Wiederherstellungsprozesse.
3. Die Wiederherstellungsprozesse bleiben aber nicht beim Ausgangsniveau zu Beginn derBelastung stehen, sondern gehen darüber hinaus.
Für die Praxis folgt daraus:
1. Ausreichende Ermüdungsreize werden nur durch ein
ausreichend intensives und umfangreichesTraining gesetzt.
2. Für die Wiederherstellung und die erwünschte Superkompensation ist ein optimaler Wechselvon Belastung und Erholung anzustreben.
3. Wegen der unterschiedlich schnellen Erholungsfähigkeit sind Variationen in den Trainingsinhalten und -methoden und vor allem auch in Umfang und Intensität erforderlich.
Da die sportliche Form der Hauptziel der Periodisierung
ist, ergeben sich folgende Forderungen:
1. Hauptwettkämpfe sind auf einen oder zwei Höhepunkte
zu konzentrieren.
2. Die Anzahl der Wettkämpfe muß so geplant
werden, daß sie zur Verbesserung der
Leistungsfähigkeit führen, sich aber nicht als
Überbelastung auswirken.
3. Die Wettkämpfe müssen einen aufsteigenden
Schwierigkeitsgrad haben.
4. Die Hauptwettkämpfe dürfen nicht in die Vorbereitungsperiode fallen; auch Wettkämpfe in der
Übergangsperiode sind nicht sinnvoll.
Auf jeder Stufe der Periodisierung hat der Sportler eine neue sportliche Form. Der Wandel dieser Form läßt sich kennzeichnen durch:
1. Formausbildung = Phase der Entwicklung (Die
Vorbereitungsperiode, in der die Grundlagen
der sportlichen Form gelegt und später diese dann
herausgebildet wird).
2. Formaktualisierung = Phase der relativen Stabilisierung
(Die Wettkampfperiode, in der die Voraussetzungen der sportlichen Form aktualisiert und
die Form in Wettkämpfen realisiert wird).
3. Formruhe = Phase des zeitweiligen geplanten
Verlustes der Form (Die Übergangsperiode, in der der zeitweilige Verlust der sportlichen Form bewußt
eingeleitet wird. Sie dient auch als Periode der aktiven Erholung und Entlastung).
Dabei ist die Phase der Formausbildung (Vorbereitungsperiode) zwei- bis dreigeteilt. Der erste Abschnitt dient der Schaffung von Voraussetzungen im Sinne des Basistrainings, der zweite der unmittelbaren Herausbildung der sportlichen Form. Ein Formverlust in der dritten Phase (Übergangsperiode) ist notwendig und bildet den Ausgangspunkt zu einem Neuaufbau. Die neue Form bildet sich auf der alten Basis. Daneben hat diese Phase eine Entlastungsfunktion (orthopädisch und psychisch). Durchgesetzt haben sich Jahres- und Halbjahreszyklen, und entsprechend nennt man diese "eingipflige" und "zweigipflige" Periodisierung. Eine zweigipflige Periodisierung muß dabei so verstanden werden, daß der erste Gipfel dem zweiten dient, indem die Doppelperiodisierung eine sportliche Form auf höherem Niveau zuläßt. Allgemein erreichen Sportler ihre Bestleistung nach etwa sechs bis sieben Monaten, in den Ausdauerdisziplinen mitunter länger. Grundsätzlich gilt: Ganzjahreszyklen begünstigen die Umfangs-, Halbjahreszyklen die Intensitätssteigerung.
Vorbereitungsperiode: Gegliedert in:
Die allgemeine Vorbereitungsperiode und die spezielle
Vorbereitungsperiode.
Ihre Aufgabe besteht zuerst darin, die allgemeinen Grundlagen
zu erhöhen, sowie Umfang und Niveau der Belastungen zu steigern. Damit
wird das Fundament für eine spätere spezielle Ausbildung geschaffen.
Diese Periode ist gekennzeichnet durch einen starken Anstieg des Belastungsumfangs
und später (am Ende) auch der Intensität. Im Vergleich zur Wettkampfperiode
ist der Umfang höher, die Intensität dagegen niedriger. Im zweiten
Abschnitt der Vorbereitungsperiode erfolgt aber die höchste Gesamtbelastung
während des gesamten Trainingszyklus, weil der Trainingsumfang völlig
und die Trainingsintensität fast das Maximum erreichen. Läufer
trainieren auch in der allgemeinen Vorbereitungsperiode zum großen
Teil "speziell", weil der Trainingsinhalt Dauerlauf am besten die aerobe
Ausdauer schult. Andere Sportarten ergänzen aber das Training. Die
allgemeine Vorbereitungsperiode sollte mindestens einen Zeitraum von einem
Drittel des gesamten Trainingszyklus umfassen (= bei eingipfliger Periodisierung
etwa 4 und bei zweigipfliger etwa 2 bis 2,5 Monate). Die spezielle Vorbereitungsperiode
ist ein Aufbautraining für die Wettkampfperiode und leitet in diese
über. In dieser Phase sollen wettkampfspezifische Belastungen eingesetzt
werden, so daß sich ein "dynamischer Wettkampfstereotyp" herausbildet
(= z.B. schneller gelaufen werden kann).
Die Phasen im Verlauf eines Trainingsjahres werden wie
folgt eingeteilt:
Vorbereitungsperiode 1 (allgemeine Vorbereitungsperiode:)
Erhöhung der grundlegenden Leistungsvoraussetzungen. Betontes Training
der Grundlagenausdauer I. Es dominieren unspezifische Trainingsmittel,
auch mittels anderer Sportarten. Niedrige Intensität, steigender Umfang.
Vorbereitungsperiode 2 (allgemeine Vorber.
übergehend in die spezielle Vorbereitungsperiode):
Es werden zunehmend sportartspezifische Trainingsmittel eingesetzt. Erhöhung
der speziellen Leistungsvoraussetzungen; besonders Grundlagenausdauer I
und II, wobei der Anteil des Trainings im Bereich der anaeroben Schwelle
(ANS) (= aerob - anaerober Übergangsbereich) stetig angehoben wird.
Es wird bereits ein relativ hoher Umfang erreicht.
Vorbereitungsperiode 3 (spezielle Vorbereitungsperiode):
Höchste Trainingsbelastung (= Umfang und Intensität) des Jahres.
Stabilisierung und Erhöhung der speziellen Leistungsvoraussetzungen.
Training besonders der Grundlagenausdauer II, sowie der wettkampfspezifischen
Ausdauer.
Wettkampfperiode 1:
Ausprägung der komplexen
Wettkampfleistung. Wettkämpfe, Wettkampfserien oder ggf. wettkampfnahes
Training in Unter- und Überdistanzen.
Zwischenperiode:
Wiederherstellen der speziellen
Leistungsvoraussetzungen. Training besonders der Grundlagenausdauer 2,
sowie der wettkampfspezifischen Ausdauer.
Wettkampfperiode 2:
Hier liegt der Wettkampfhöhepunkt
des Jahres. Dieser Trainingsabschnitt dient der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung.
Weiteres Training zur Ausprägung der maximalen Wettkampfleistung unter
Einhaltung von ausreichend Entlastungsphasen.
Übergangsperiode (Formruhe):
Erholung und
Regeneration. Geplanter Formabbau durch reduziertes, inhaltlich verändertes
Training in Umfang und Intensität. Betreiben anderer Sportarten.