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Trainingsprinzipien


1. Das Prinzip des wirksamen Belastungsreizes

Ein Trainingsreiz (die Laufbelastung) muß eine bestimmte Intensitätsschwelle überschreiten, um eine Anpassungsreaktion auszulösen. Man unterscheidet verschiedene Reizstufen:
Unterschwellige Reize bleiben wirkungslos.
Überschwellige schwache Reize erhalten das Funktionsniveau.
Überschwellige starke (optimale) Reize lösen gewollte Anpassungserscheinungen aus.
Zu starke Reize schädigen (d.h. vermindern) die Funktion.

Ob ein Reiz unter- oder überschwellig ist, hängt mit der individuellen (aktuellen) Leistungsfähigkeit des Sportlers zusammen. Als Meßgröße im Ausdauerbereich kann die Pulsfrequenz, das Blutlaktat, aber auch die "gefühlte" Belastung dienen. Im aeroben Ausdauertraining wird die trainingswirksame Schwelle (d.h. ein überschwelliger, wirksamer Reiz) etwa bei einer Frequenz von etwa 50 bis 60% (oder mehr) der maximalen Herzfrequenz (MHF) erreicht.

2. Das Prinzip der ansteigenden Belastung

Die Leistungssteigerung erfolgreicher Sportler im Jahresverlauf und auch über mehrere Jahre geht mit einer beständigen dynamischen Zunahme der Trainingsbelastungen einher. Je höher das Niveau, desto umfangreicher und intensiver muß trainiert werden. Es sind jedoch nur solche Belastungen zu wählen, die unter der Grenze der Möglichkeiten der Sportler liegen, ohne jedoch diese zu übersteigen. Werden die Trainingsanforderungen nicht mehr gesteigert, oder können sie nicht mehr gesteigert werden, ist eine weitere Leistungsverbesserung kaum mehr möglich, sofern die Auswahl der Trainingsinhalte und -methoden angemessen war. Stagnation in der Belastung bedeutet Stagnation in der sportlichen Leistungsfähigkeit.

2.1. Entscheidend für die Anpassung des Organismus ist die optimale Belastung (mit der optimaler Erholung - siehe unten). Sie muß oft im Bereich der Grenzbelastungen liegen ohne jedoch diese Grenzen zu übersteigen. Die These von der optimalen Belastung ist eines der Hauptprinzipien des Trainings. Das Training der aeroben Ausdauer ist im Grenzbereich des aeroben / anaeroben Energiestoffwechsels am effektivsten. Die Trainingsanforderungen sollen immer den aktuellen Möglichkeiten, also dem momentanen Trainingszustand, entsprechen. Der optimale Grad der Ermüdung provoziert die beste Anpassung. Der Läufer hat mit fortschreitendem Trainingszustand die Aufgabe, sich auch im Training mehr zu verausgaben. Seine Belastungsgrenzen werden weiter ausgedehnt. Diese Steigerung kann kontinuierlich (bei insgesamt niedrigerem Niveau) oder sprunghaft (im Leistungsbereich) geschehen.

2.2. Eine gleichmäßige Erhöhung der Trainingsbelastung ist nicht so wirkungsvoll, wie eine sprunghafte! Die Mehrbelastung muß den Organismus zu einer stärkeren Gegenreaktion (Anpassung) zwingen.

2.3. Der Organismus benötigt einen Zeitraum der Festigung der Leistung. So kommt die Verbesserung der Leistungsfähigkeit nicht gleichzeitig mit denen, erhöhter Trainingsbelastungen, ist aber Folge von ihnen. Die verbesserte Leistung zeigt sich oft erst später, in der Regel nach einer Phase der Festigung.

2.4. Im konditionellen Bereich wird die Belastung erhöht durch Steigerung des Umfangs und der Intensität. Umfang und Intensität sollen nicht gleichzeitig zunehmen, sondern im Wechsel, wobei immer zuerst der Umfang, dann die Intensität gesteigert wird! Die Stabilisierung der Leistung erfolgt durch erhöhten Umfang der Belastung, während ein schneller Leistungszuwachs (z.B. nach Verletzung) durch eine Intensitätssteigerung realisiert wird. Diese ist dann aber nicht so stabil. Diese Steigerung im Training muß von den aeroben Läufen zunehmend zu aerob - anaeroben (und ggf. später überwiegend anaeroben) erfolgen. Die Trainingsanforderungen und -steigerungen sollen immer dem momentanen Trainingszustand entsprechen.

3. Das Prinzip des langfristigen Trainingsaufbaues

Höchstleistungen werden in den meisten Sportarten erst nach langjährigem Training möglich. Diese Zeitspanne wird in verschiedene Etappen aufgegliedert. Zunächst das Grundlagentraining, später das Aufbautraining und abschließend das Höchstleistungstraining. Ggf. schließt sich eine Phase reduzierter Belastung, ein "Abtrainieren" an. Nach den von einigen Autoren festgelegten Normen am Ende eines Aufbautrainings kommen die meisten Sportler niemals ins Hochleistungstraining. Für Sportler mit geringerem Leistungspotential sind solche Normen jedoch nicht bindend.

3.1. Grundlagentraining: Beim Anfänger werden durch grundlegende, allgemein ausbildende Übungen Grundlagen der sportlichen Höchstleistung herausgebildet. In dieser Phase wird vielseitig, d.h. noch nicht nur sportartspezifisch trainiert. Die Bezeichnung Grundlagentraining drückt die Zielsetzung dieser ersten Stufe aus. Es werden Grundlagen gelegt hinsichtlich der (aller) konditionellen Eigenschaften, der technischen Fertigkeiten, der Kenntnisse, der taktischen Fähigkeiten und Gewohnheiten. Das Hauptziel besteht in einer breiten Basis mit guter allgemeiner Kondition und umfassender Bewegungserfahrung. Im weiteren werden erhöhte Willenskraft und eine gefestigte Einstellung zum Training und Wettkampf angestrebt. Im Grundlagentraining dominieren die allgemein entwickelnden Trainingsinhalte, sie werden aber ergänzt durch spezielles Training in der angestrebten Sportart (Laufen). Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Grundlagentraining auch mit einer anderen Sportart geleistet werden (Quereinsteiger anderer Ausdauersportarten).

3.2. Aufbautraining: Der Fortgeschrittene wird für die Höchstleistungen in der gewählten Sportart (weiter) aufgebaut. Im Konditionstraining wird ein sportartspezifischer Schwerpunkt gelegt. Das Aufbautraining ist eine Vorbereitung für das spätere hochspezialisierte Training.

-1. Im konditionellen Bereich wird die allgemeine Basis weiter aufgebaut. Vor allem werden aber jene Eigenschaften verbessert, die unmittelbar zu einer Leistungssteigerung beitragen. Bevorzugtwerden wettkampftypische Bewegungsformen (= Laufen, Schwimmen, Radfahren) eingesetzt.

-2. Das verbesserte taktische Können führt zu einer optimaleren Ausnutzung konditioneller und technischer Qualitäten (Laufstil), zu selbständigen und kreativen Aktionen. Die zweite Hälfte des Aufbautrainings soll schließlich den nahtlosen Übergang zum Höchstleistungstraining vorbereiten.

3.3. Höchstleistungstraining: Im Hochleistungstraining bildet sich die optimale Höchstleistung unmittelbar heraus. Alle Trainingsinhalte sind unmittelbar auf das erreichen dieses Zieles abgestimmt.

Charakteristisch ist in dieser Phase die Ausrichtung des Trainings auf einige wichtige Wettkämpfe.

-1. Im konditionellen Bereich werden sportartspezifische Eigenschaften auf ein höchstmögliches Niveau angehoben. Bei den anderen Eigenschaften genügt ein optimales Niveau.

-2. Das Technikniveau wird weiter differenziert und automatisiert.

- 3. Die taktischen und intellektuellen Fähigkeiten erreichen ihre höchste Ausprägung.

3.4. Bei Beendigung der sportlichen Kariere sollte sich immer eine Phase der geplanten sinnvollen Belastungsreduktion - ein Abtrainieren - über einen gewissen Zeitraum anschließen

3.5. Die Dauer der einzelnen Etappen ist abhängig von der Sportart, individuellen Besonderheiten des Sportlers und auch von den sonstigen Gegebenheiten. Als Faustregel läßt sich sagen, daß jede Stufe etwa drei bis vier Jahre dauert. Das läßt sich jedoch nicht durchgängig sagen, wie genügend Beispiele zeigen.

4. Das Prinzip der Variation der Trainingsbelastung

Ein Wechsel der Trainingsinhalte und Trainingsintensität führt durch Erhöhung der Anpassungsreize zu einer stärkeren Anhebung des allgemein konditionellen und speziell des Ausdauerniveaus. Dabei kann besonders im Grundlagentraining ein Ausdauergewinn auch in anderen Ausdauersportarten erzielt werden. Gleichartige Trainingsreize über einen längeren Zeitraum führen zu einer Stagnation der Leistung. Gerade im Leistungsbereich wird eine erhöhte Variation im Training verlangt, um das hohe Leistungsniveau zu halten.

5. Das Prinzip der optimalen Gestaltung von Belastung und Erholung

(Belastung, Wiederherstellung, Superkompensation)
Jeder ausreichend große Trainingsreiz bewirkt einen Abbau der Energiereserven und damit einen Rückgang der Leistungsfähigkeit. Dieser Abbau birgt den Reiz zum Neuaufbau. Dabei macht der Neuaufbau nicht halt bei dem Zustand, den das Gewebe vorher hatte, sondern es entwickelt sich über diesen Zustand hinaus (Leistungszuwachs)! Nach einer wirkungsvollen Trainingseinheit ist eine gewisse Zeit der Wiederherstellung und darüber hinaus Zeit für eine "Superkompensation" notwendig, bevor wieder eine gleichgeartete Belastung durchgeführt werden sollte. Die Mechanismen der Wiederherstellung sind vielschichtig und man unterteilt sie in vier Arten:
-1. Laufende Wiederherstellung während des Trainingsablaufs;
-2. Sofortwiederherstellung unmittelbar nach Übungsende;
-3. nachwirkende Wiederherstellung, die innerhalb mehrerer Stunden nach Trainingsende vor sich geht;
-4. Wiederherstellung nach chronischer Überanstrengung (Stresswiederherstellung).

Unter trainingspraktischem Aspekt hat das Stadium der Sofortwiederherstellung den größten Effekt für die Rationalisierung des Trainingsaufbaus innerhalb einer Trainingseinheit.

5.1. Auch der Wechsel von Belastung und Erholung ist zu planen, da er entscheidend für eine Anpassung ist (= Verbesserung der Wettkampfleistung). Fehlanpassung bedeutet eine Anpassung in unwichtigen Bereichen oder Übertraining. Wird die Erholung zu stark akzentuiert (d.h. ausgedehnt), dann werden die Wirkungen der vorangehenden Trainingseinheit verwischt. Wird dagegen die Belastung einseitig betont, reichen also die Pausen nicht aus, dann ist keine vollständige und schon gar keine "übervollständige" Wiederherstellung möglich! Eine Superkompensation, welche Leistungserhöhung bedeutet, erfolgt in der Phase der Erholung. Hier liegt der optimale Zeitpunkt für die nächste Trainingsbelastung. Wird generell zu früh, d.h. noch in der Phase der Ermüdung erneut belastet, kommt es zu einer Verminderung der Leistung und langfristig ggf. zum Übertraining. Es ist jedoch nicht sinnvoll, jede neue Trainingsbelastung erst bei völliger Wiederherstellung aller Leistungsfaktoren anzusetzen; es kann/muß vielmehr noch während der "unbeendeten Wiederherstellungsprozesse" trainiert werden! Der Effekt mehrerer Trainingseinheiten summiert sich dabei. Diese zusätzliche Aufstockung der Ermüdung ist die normale Variante der Belastungsfolge im Hochleistungstraining. Sie führt zu einer noch umfangreicheren Anpassung (während einer "wiederherstellenden Pause"). Voraussetzung für den Leistungsanstieg sind anschließende aktive Erholungsintervalle! Umfang, Intensität und Wiederherstellung sind der Leistungsfähigkeit des Sportlers und der geplanten (Haupt-) Wettkampfstrecke anzupassen.

5.2. Darstellung von Belastung, Erholung und Superkompensation:

Grafik: Belastung - Erholung - Superkompensation (am Beispiel Ausdauer)


Zusammengefaßt läßt sich sagen:

1. Training führt zum Verbrauch von Energien und damit zunächst zur Leistungsminderung.

2. Die dadurch eingetretenen Ermüdungsprozesse provozieren Wiederherstellungsprozesse.

3. Die Wiederherstellungsprozesse bleiben aber nicht beim Ausgangsniveau zu Beginn derBelastung stehen, sondern gehen darüber hinaus.

Für die Praxis folgt daraus:
1. Ausreichende Ermüdungsreize werden nur durch ein ausreichend intensives und umfangreichesTraining gesetzt.

2. Für die Wiederherstellung und die erwünschte Superkompensation ist ein optimaler Wechselvon Belastung und Erholung anzustreben.

3. Wegen der unterschiedlich schnellen Erholungsfähigkeit sind Variationen in den Trainingsinhalten und -methoden und vor allem auch in Umfang und Intensität erforderlich.

6. Das Prinzip der Wiederholung und Dauerhaftigkeit (Kontinuität)

Zum erreichen einer optimalen Anpassung ist es notwendig, mehrfach die Belastung zu wiederholen, da die Anpassung einige Zeit beansprucht, bevor auf erhöhter Ausgangsbasis (Stabilisierung eines höheren Niveaus) erneut Leistungssteigerungen erwartet werden können. Anpassungsvorgänge und damit Leistungsverbesserungen durch Training erfolgen zwar relativ schnell, aber es ist erforderlich, diese Wirkungen durch regelmäßige Beanspruchungen aufrecht zu erhalten.

7. Das Prinzip der Periodisierung und Zyklisierung

Sportler trainieren oft während des gesamten Jahres, denn Trainingsunterbrechungen bewirken einen Rückgang der Leistungsfähigkeit. Der Begriff "Periodisierung" bezieht sich in der Regel auf ein ganzes oder halbes Trainingsjahr. Die ganzjährige Belastung vollzieht sich nicht gleichmäßig. Vielmehr muß das Prinzip der Belastung und Erholung bedacht werden; zum Anderen müssen Inhalt und Methode systematisch aufeinander abgestellt werden. Weil die sportliche Form nicht konstant ist, sondern labil und dynamisch, ist eine Periodisierung notwendig, die diesem Wandel gerecht wird. Die methodische Reihung der Trainingsphasen (Zyklen) ist Voraussetzung für einen optimalen Leistungszuwachs. Ein Trainingsjahr ist einzuteilen in aufbauende, stabilisierende und reduzierende Belastungsperioden. Jede spätere Phase muß ausreichend lang geplant und durchgeführt werden und baut auf den Grundlagen der vorhergehenden auf. Tests dienen der Erfolgskontrolle jeweils nach den Trainingszyklen.

Da die sportliche Form der Hauptziel der Periodisierung ist, ergeben sich folgende Forderungen:
1. Hauptwettkämpfe sind auf einen oder zwei Höhepunkte zu konzentrieren.
2. Die Anzahl der Wettkämpfe muß so geplant werden, daß sie zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit führen, sich aber nicht als Überbelastung auswirken.
3. Die Wettkämpfe müssen einen aufsteigenden Schwierigkeitsgrad haben.
4. Die Hauptwettkämpfe dürfen nicht in die Vorbereitungsperiode fallen; auch Wettkämpfe in der Übergangsperiode sind nicht sinnvoll.

Auf jeder Stufe der Periodisierung hat der Sportler eine neue sportliche Form. Der Wandel dieser Form läßt sich kennzeichnen durch:

1. Formausbildung = Phase der Entwicklung (Die Vorbereitungsperiode, in der die Grundlagen der sportlichen Form gelegt und später diese dann herausgebildet wird).
2. Formaktualisierung = Phase der relativen Stabilisierung (Die Wettkampfperiode, in der die Voraussetzungen der sportlichen Form aktualisiert und die Form in Wettkämpfen realisiert wird).
3. Formruhe = Phase des zeitweiligen geplanten Verlustes der Form (Die Übergangsperiode, in der der zeitweilige Verlust der sportlichen Form bewußt eingeleitet wird. Sie dient auch als Periode der aktiven Erholung und Entlastung).

Dabei ist die Phase der Formausbildung (Vorbereitungsperiode) zwei- bis dreigeteilt. Der erste Abschnitt dient der Schaffung von Voraussetzungen im Sinne des Basistrainings, der zweite der unmittelbaren Herausbildung der sportlichen Form. Ein Formverlust in der dritten Phase (Übergangsperiode) ist notwendig und bildet den Ausgangspunkt zu einem Neuaufbau. Die neue Form bildet sich auf der alten Basis. Daneben hat diese Phase eine Entlastungsfunktion (orthopädisch und psychisch). Durchgesetzt haben sich Jahres- und Halbjahreszyklen, und entsprechend nennt man diese "eingipflige" und "zweigipflige" Periodisierung. Eine zweigipflige Periodisierung muß dabei so verstanden werden, daß der erste Gipfel dem zweiten dient, indem die Doppelperiodisierung eine sportliche Form auf höherem Niveau zuläßt. Allgemein erreichen Sportler ihre Bestleistung nach etwa sechs bis sieben Monaten, in den Ausdauerdisziplinen mitunter länger. Grundsätzlich gilt: Ganzjahreszyklen begünstigen die Umfangs-, Halbjahreszyklen die Intensitätssteigerung.

Vorbereitungsperiode: Gegliedert in:

Die allgemeine Vorbereitungsperiode und die spezielle Vorbereitungsperiode.
Ihre Aufgabe besteht zuerst darin, die allgemeinen Grundlagen zu erhöhen, sowie Umfang und Niveau der Belastungen zu steigern. Damit wird das Fundament für eine spätere spezielle Ausbildung geschaffen. Diese Periode ist gekennzeichnet durch einen starken Anstieg des Belastungsumfangs und später (am Ende) auch der Intensität. Im Vergleich zur Wettkampfperiode ist der Umfang höher, die Intensität dagegen niedriger. Im zweiten Abschnitt der Vorbereitungsperiode erfolgt aber die höchste Gesamtbelastung während des gesamten Trainingszyklus, weil der Trainingsumfang völlig und die Trainingsintensität fast das Maximum erreichen. Läufer trainieren auch in der allgemeinen Vorbereitungsperiode zum großen Teil "speziell", weil der Trainingsinhalt Dauerlauf am besten die aerobe Ausdauer schult. Andere Sportarten ergänzen aber das Training. Die allgemeine Vorbereitungsperiode sollte mindestens einen Zeitraum von einem Drittel des gesamten Trainingszyklus umfassen (= bei eingipfliger Periodisierung etwa 4 und bei zweigipfliger etwa 2 bis 2,5 Monate). Die spezielle Vorbereitungsperiode ist ein Aufbautraining für die Wettkampfperiode und leitet in diese über. In dieser Phase sollen wettkampfspezifische Belastungen eingesetzt werden, so daß sich ein "dynamischer Wettkampfstereotyp" herausbildet (= z.B. schneller gelaufen werden kann).

Die Phasen im Verlauf eines Trainingsjahres werden wie folgt eingeteilt:
Vorbereitungsperiode 1 (allgemeine Vorbereitungsperiode:) Erhöhung der grundlegenden Leistungsvoraussetzungen. Betontes Training der Grundlagenausdauer I. Es dominieren unspezifische Trainingsmittel, auch mittels anderer Sportarten. Niedrige Intensität, steigender Umfang.
Vorbereitungsperiode 2 (allgemeine Vorber. übergehend in die spezielle Vorbereitungsperiode):
Es werden zunehmend sportartspezifische Trainingsmittel eingesetzt. Erhöhung der speziellen Leistungsvoraussetzungen; besonders Grundlagenausdauer I und II, wobei der Anteil des Trainings im Bereich der anaeroben Schwelle (ANS) (= aerob - anaerober Übergangsbereich) stetig angehoben wird.
Es wird bereits ein relativ hoher Umfang erreicht.
Vorbereitungsperiode 3 (spezielle Vorbereitungsperiode):
Höchste Trainingsbelastung (= Umfang und Intensität) des Jahres. Stabilisierung und Erhöhung der speziellen Leistungsvoraussetzungen. Training besonders der Grundlagenausdauer II, sowie der wettkampfspezifischen Ausdauer.
Wettkampfperiode 1:
Ausprägung der komplexen Wettkampfleistung. Wettkämpfe, Wettkampfserien oder ggf. wettkampfnahes Training in Unter- und Überdistanzen.
Zwischenperiode:
Wiederherstellen der speziellen Leistungsvoraussetzungen. Training besonders der Grundlagenausdauer 2, sowie der wettkampfspezifischen Ausdauer.
Wettkampfperiode 2:
Hier liegt der Wettkampfhöhepunkt des Jahres. Dieser Trainingsabschnitt dient der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Weiteres Training zur Ausprägung der maximalen Wettkampfleistung unter Einhaltung von ausreichend Entlastungsphasen.
Übergangsperiode (Formruhe):
Erholung und Regeneration. Geplanter Formabbau durch reduziertes, inhaltlich verändertes Training in Umfang und Intensität. Betreiben anderer Sportarten.

8. Das Prinzip der Individualität und Altersgemäßheit (Entwicklungsgemäßheit)

Für eine optimale Leistungsentwicklung sind immer die persönlichen Gegebenheiten des Sportlers zu berücksichtigen. Es handelt sich dabei einerseits um die körperlichen Fähigkeiten (sportmotorische Begabung, Konstitutionstyp, Trainierbarkeit), wie auch die mehr geistig - seelischen Eigenschaften (Temperament, Motivation, Intellekt). Darüber hinaus ist die trainierbarkeit für bestimmte Komponenten der Kondition in unterschiedlichem Alter recht unterschiedlich ausgeprägt und muß in der Trainingsgestaltung berücksichtigt werden.

9. Das Prinzip der zunehmenden Spezialisierung

In Abhängigkeit von den Belastungsreizen unterscheidet man unspezifische und spezifische Anpassungen des Organismus. Die Entwicklung zu einem hohen spezifischen Leistungsniveau in einer bestimmten Sportart erfordert nun - auf der Basis unspezifischer Anpassungen - spezifische Anpassung und damit spezifische Reize. Innerhalb der Trainingsstufen nimmt der Anteil des speziellen Training stetig zu. Das Training wird zunehmend an der (gewählten) Wettkampfstrecke orientiert. Vorrang haben dabei die leistungsbestimmenden Faktoren der Wettkampfbelastung. Das Einbeziehen von spezifischen Merkmalen der Hauptwettkampfstrecke in den ganzjährigen Trainingsprozeß sichert eine bestmögliche Wettkampfvorbereitung.
Um das Verletzungsrisiko dabei gering zu halten und eine erhöhte Belastbarkeit zu erreichen, ist jedoch ganzjährig ein unterstützendes vielseitiges (unspezifisches, aber ergänzendes) Training nötig. Dieses setzt sich zusammen aus gezieltem Krafttraining, sinnvoller Gymnastik zur Dehnung ( Flexibilität und Erholung) und Stabilisation, ggf. auch Koordination und Kräftigung, sowie auch semispezifischem Ausdauertraining (d.h. Ausdauertraining in anderen Sportarten, wie z.B. Radfahren, Skilanglauf oder Schwimmen). Die Erhöhung oder zumindest Erhaltung der Grundlagenausdauer, ggf. auch der Kraftausdauer ist ganzjährig fortzusetzen.

10. Das Prinzip der regulierenden Wechselwirkung der einzelnen Trainingselemente

Verschiedene Elemente eines Training können sich positiv oder negativ beeinflussen. Bei hochgradiger Ausbildung eines Systems (z.B. der Schnelligkeit oder Kraft) ist in der Regel eine Erniedrigung eines anderen Systems (z.B. der aeroben Ausdauer) zu erwarten. Dieses muß im gesamten Trainingsprozess (siehe auch Periodisierung des Trainings) berücksichtigt werden. So sind sich behindernde (aber für die Wettkampfbelastung notwendige) Elemente zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu trainieren, während unterstützende Trainingsinhalte zusammen zu trainieren sind. Im Ausdauerbereich ist die Wahl unterschiedlicher Trainingsintensitäten (unterschiedliche Elemente der Wettkampfleistung) vor allen Dingen im Bereich mit gemischt aerob - anaerober Anforderung (Mittelstreckenlauf, typische Bahnlangstrecken) notwendig.

Formüberprüfung

In allen Phasen sind Tests zur Überprüfung des jeweiligen Konditionsniveaus einzusetzen, deren Ergebnis die weitere Trainingsgestaltung beeinflussen muß. Diese Tests sollen das Ausdauerniveau möglichst genau bestimmen, ohne jedoch durch eine Grenzbelastung den Körper allzusehr zu schwächen. Auch Muskelfunktionstests zur Erkennung evtl. vorhandener muskulärer Dysbalancen sind sinnvoll.