Berlin - Prenzlauer Berg
Der Altbaubezirk Prenzlauer Berg auf der ehemaligen Berliner Feldmark nördlich des Stadtzentrums gehört zu den kleineren Bezirken Berlins. Nur die Bezirke Mitte und Friedrichshain weisen eine geringere Fläche auf. In der Einwohnerdichte steht er jedoch nach Kreuzberg an zweiter Stelle. Der Bezirk entstand bei der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 als vierter Verwaltungsbezirk zunächst unter der Bezeichnung Prenzlauer Tor. Von diesem Tor in der Stadtmauer führte die Prenzlauer Allee zur 90 km entfernten Stadt Prenzlau in der Uckermark. Ein Jahr später erhielt der Bezirk nach dem "Prenzlauer Berg", einer überbauten Anhöhe am südlichen Ende der Prenzlauer Allee, seinen heutigen Namen.

Im Westen grenzt Prenzlauer Berg an den Bezirk Wedding. Von 1945 bis 1990 verlief hier gleichzeitig die Grenze zum Französischen Sektor von West-Berlin. Die südliche Grenze zu den Bezirken Mitte und Friedrichshain folgt dem ehemaligen Verlauf der 1867 abgebrochenen Zollmauer mit Prenzlauer und Schönhauser Tor und dem ehemaligen Königstor am Anfang der Greifswalder Straße. Im Osten grenzt Prenzlauer Berg an die Bezirke Hohenschönhausen und Lichtenberg und im Norden an Weißensee und Pankow.

Das Territorium des Bezirks liegt oberhalb der Innenstadt auf der Hochfläche des Barnim. Bereits mit der Gründung der Doppelstadt Berlin/Kölln begann die landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets, ohne daß es jedoch zu einer Dorfbildung kam. Die Landwirtschaftsflächen befanden sich im Besitz des Magistrats, von Kirchen, Klöstern und Berliner Ackerbürgern. Schon früh wurde auf den Hügeln des Barnim- Ausläufers auch Weinbau betrieben, der erst nach dem extrem harten Winter 1740/41 zum Erliegen kam. Ab 1748 wurden mehr und mehr auch Windmühlen auf der Hochfläche errichtet, so daß sich das Gebiet zum wichtigsten Mühlenstandort der Stadt entwickelte. Bis zu dreißig Windmühlen gab es im Gebiet des heutigen Bezirks. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren in der Umgebung des Windmühlenberges zwischen der heutigen Saarbrücker Straße, Straßburger Straße und Prenzlauer Allee acht Mühlenbetriebe tätig.

Mit der beginnenden Industrialisierung wuchs ab dem dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts die Bebauung Berlins über die Stadtgrenzen hinaus und erreichte ausgehend vom Schönhauser Tor auch das Gebiet des heutigen Bezirks Prenzlauer Berg. Zur gleichen Zeit begannen auch die Mühlenbetriebe der Konkurrenz der modernen Industrie zu weichen. Im Jahr 1856 wurde auf dem Windmühlenberg ein Steigerohrturm für Berlins erstes Wasserwerk an der Spree errichtet, neben dem 1877 der große Wasserturm, das heutige Wahrzeichen von Prenzlauer Berg, entstand. Da das hügelige Gelände die Anlage der zur Bierherstellung nötigen Kühlkeller erleichterte, ließen sich ab 1841 auch zahlreiche Brauereien hier nieder, die den Prenzlauer Berg mit ihren Schankhäusern und Biergärten zu einem beliebten Ausflugsziel werden ließen. Aus dieser Zeit erhalten geblieben ist bis heute die Berliner Traditionsgaststätte "Prater" in der Kastanienallee 7-9, die gegenwärtig modernisiert wird.

Ab 1862 begann nach dem vom damaligen Baurat James Hobrecht entworfenen sogenannten Hobrechtplan eine stürmische Bebauung des gesamten Gebiets. Sie machte die einstige Feldmark in wenigen Jahrzehnten zu einem dichtbesiedelten Arbeiterwohnbezirk, flächendeckend belegt mit Mietskasernen voller Labyrinthe von Hinterhöfen, Seiten- und Quergebäuden. Neben den Mietskasernen entstanden jedoch auch schon früh sozial verpflichtete Reformprojekte, wie z. B. die von dem ersten gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen Deutschlands, der "Berliner Gemeinnützigen Baugesellschaft", 1849-52 nach Plänen von Carl Wilhelm Hoffmann errichteten Wohnhäuser an der Torstraße 85-87, die 1899 bis 1900 entstandene Eckbebauung an der Stargarder Ecke Greifenhagener Straße von Alfred Messel oder die von 1903-05 von Erich Köhn erbaute Beamtenwohnanlage an der Torstraße 3-7.

1867 begann der Bau der Ringbahn, mit deren Eröffnung 1871 das Gebiet Anschluß an die Eisenbahn erhielt. Nachdem sie anfänglich nur dem Güterverkehr diente, wurde mit der Eröffnung der Bahnhöfe Weißensee (Greifswalder Straße, 1875), Landsberger Allee (1882), Nordring (Schönhauser Allee, 1884) und Prenzlauer Allee (1891) auch der Personenverkehr aufgenommen. Auch die 1875 eröffnete Linie der Großen Berliner Pferdebahn vom Schönhauser Tor über die Schönhauser Allee nach Pankow sowie die 1913 in Betrieb genommene U-Bahn-Linie Alexanderplatz - Nordring hatten für die weitere Erschließung des Gebietes große Bedeutung. 1930 wurde die U-Bahn bis zum heutigen Endpunkt Pankow/Vinetastraße verlängert.

1872-74 entstand auf dem Gelände des heutigen Ernst-Thälmann-Parks an der Greifswalder Straße das (1981 stillgelegte) IV. städtische Gaswerk. 1878-81 folgte nach Plänen von Stadtbaurat Hermann Blankenstein südlich der Landsberger Allee an der Ringbahn der Zentrale Vieh- und Schlachthof. Seit der Jahrhundertwende siedelten sich hier auch zahlreiche Mittel- und Kleinbetriebe der Lebensmittel-, Leicht-, elektrotechnischen und metallverarbeitenden Industrie an. Von 1961 bis 1967 entstand zwischen den Bahnhöfen Leninallee (Landsberger Allee) und Ernst-Thälmann-Park (Greifswalder Straße) das Gewerbegebiet Storkower Straße mit Betrieben der Elektrotechnik, der Elektronik und des Maschinenbaus.

Drei ehemalige mittelalterliche Verkehrswege, beginnend bei den drei genannten Stadttoren, bestimmen bis heute als verkehrsreiche Magistralen die Siedlungsstruktur des Bezirks: Schönhauser Allee, Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße. Die Schönhauser Allee ist gleichzeitig die Haupteinkaufsstraße des Bezirks. Verbunden werden die drei fächerartigen Ausfallstraßen durch die Danziger Straße, eine innere Ringstraße, die auf einen 1822 angelegten "Communicationsweg" durch die hiesige Berliner Feldmark zurückgeht.

Grüne Lungen bilden in dem an Grünflächen armen Bezirk vor allem der Volkspark Prenzlauer Berg nördlich der Hohenschönhauser Straße, der Volkspark Anton Saefkow zwischen Ringbahn und Anton-Saefkow-Straße und die Grünanlagen des Ernst-Thälmann-Parks. Am westlichen Ende des Parks an der Prenzlauer Allee befindet sich das 1987 eröffnete Zeiss-Großplanetarium. Als grüne Oase lockern den dichtbesiedelten Bezirk aber auch manche Wohnhöfe und Plätze auf, wie etwa der Arnswalder Platz an der Danziger Straße oder der Kollwitzplatz an der Kreuzung Kollwitzstraße/Knaackstraße, der als einer der schönsten im ehemaligen Ost-Berlin gilt. Nicht weit vom Kollwitzplatz entfernt steht die 1903-04 errichtete Synagoge in der Rykestraße. Als einziger aller Berliner Bezirke weist Prenzlauer Berg keinerlei Wasserflächen auf.

Außer dem nicht mehr genutzten Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 23-25 liegen im Bezirk der 1846 eröffnete Freireligiöse Friedhof in der Pappelallee 17, der 1802 entstandene Alte Friedhof der Nikolai- und Mariengemeinde an der Prenzlauer Allee 1 südlich der Straße Prenzlauer Berg und - nördlich der Staße - (Prenzlauer Allee 7) der 1858 eröffnete neue Friedhof dieser Gemeinden. Östlich anschließend an der Greifswalder Straße 229-234 wurde 1814 der Georgenfriedhof der Georgen-Parochial- Gemeinde eröffnet. Auf dem Jüdischen Friedhof fanden noch bis 1940 vereinzelt Begräbnisse statt, alle anderen genannten Friedhöfe wurden 1970 aufgelassen.

Eine der bedeutenden Sportanlagen des Bezirks ist der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (mit der angrenzenden Max-Schmeling-Halle), dessen Stadion an der Cantianstraße, auf dem ehemaligen sogenannten "Exer" (Exerzierplatz), rund 30.000 Personen faßt. Für den Schwimmsport steht neben den Schwimmhallen im Ernst-Thälmann-Park und in der Thomas-Mann-Straße sowie der Max-Schmeling-Halle das Stadtbad an der Oderberger Straße zur Verfügung. Das mit reichgeschmückten Giebeln im Stil der Renaissance ausgestattete Gebäude wurde 1897/98 von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtet und 1903 eröffnet. Nach dem gleichfalls unter Hoffmann erbauten Stadtbad in der Baerwaldstraße 64-68 in Kreuzberg ist es das zweitälteste Hallenbad Berlins.